Ausgabe Januar 2018

 

Emotionen und Motivation 2

 

Menschen streben an, dass es ihnen gut geht und vermeiden möglichst alles, was dazu führt, dass sie sich schlecht fühlen.

 

Im Gehirn gibt es zwei unterschiedliche Systeme für positive Ereignisse: ein System, das den Lustgewinn eines Geschehens darstellt und ein System, das ein Ereignis erstrebenswert macht. Das eine befriedigt uns, das andere treibt uns an, motiviert uns. Im Englischen wird der Unterschied noch deutlicher. Man spricht hier vom „Liking-System“ und vom „Wanting-System“. Das bedeutet, nicht alles, was wir mögen streben wir auch an. Es muss noch etwas dazukommen, das uns einen Vorteil verschafft, einen sogenannten Mehrwert.

 

Es gibt zum einen Motive, die mit unserer biologischen Beschaffenheit zu tun haben wie Hunger, Durst und Sexualität. Daneben gibt es Motive, die mit uns als soziale Wesen zusammenhängen. Diese sind das Streben nach Nähe und Intimität und die Furcht vor Alleinsein, Zurückweisung. Das Streben nach Macht betrifft Status, Einfluss, Kontrolle und geht einher mit Furcht vor Machtverlust. Das Streben nach Leistung bedeutet das Bedürfnis danach, Dinge gut oder besser zu machen, andere zu übertreffen, Aufgaben zu meistern und ist mit Neugier gekoppelt. Es tritt zusammen mit der Angst vor Versagen auf.

 

Im Zusammenhang mit Erziehung, Schule und Beruf steht das Motiv Leistung im Vordergrund.Es wird sich kaum jemand um etwas bemühen, wenn entweder die Aussicht auf Erfolg gering ist und/oder der Wert des Ziels gering eingeschätzt wird.Umgekehrt wird sich eine Person sehr bemühen, wenn eine gute Chance besteht, das Ziel zu erreichen und wenn ein großer Vorteil beziehungsweise Mehrwert winkt.

 

Das gilt für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Werte und Ziele sind so unterschiedlich wie die Personen selbst. Die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten hängt von der Persönlichkeitsstruktur und von der individuellen Erfolgsgeschichte ab. Letztendlich tut niemand etwas um der Sache selbst willen, sondern es geht immer darum, ein Bedürfnis zu befriedigen. Damit Motivation anhält und nicht bei der kleinsten Schwierigkeit aufgegeben wird, kommt es darauf an, dass die bewussten Ziele mit den unbewussten Motiven übereinstimmen. Mein Ziel muss mit meiner Persönlichkeitsstruktur und meinen durch Erfahrung geprägten Bewertungen übereinstimmen. Das Verfolgen selbstbestimmter Ziele, das Meistern einer Herausforderung trägt eine starke Belohnung in sich und braucht keine Belohnung von außen.

 

Für Eltern und Erziehende bedeutet dies:Jedes Kind ist eine eigenständige Persönlichkeit mit eigenen Motiven, die sich mit wachsender Erfahrung und Entwicklung verändern können. Ein großes Ziel sollte in kleine Teilziele aufgeteilt werden, die als erreichbar angesehen werden und zeitlich nahe liegen. So ist es möglich, dass ein Kind Selbstwirksamkeit erfahren kann, eine wichtige Voraussetzung für Motivation. Das Kind muss erkennen können, welchen Vorteil es mit Erreichen des Ziels gewinnt. Im besten Fall liegt dieser Mehrwert im Erreichen des Ziels selbst und nicht in einer äußeren Belohnung.

 

Ein Kind, das am liebsten liest und dabei die Welt um sich herum vergisst, wird wahrscheinlich nicht genügend Motivation aufbringen, um Spitzensportler zu werden.Durch den Hinweis “Informatiker haben die besten Berufsaussichten“, werde ich wahrscheinlich kein Grundschulkind dazu bringen, dass es Mathematik liebt.

 

Mit äußeren Belohnungen verhält es sich schwierig. Sie wirken inflationär. Lernt ein Kind, dass es bei jedem kleinen Erfolg eine Belohnung erhält, muss diese immer größer werden, um wirksam zu sein. Und irgendwann wirkt sie gar nicht mehr, weil es Normalität ist. Erreiche ich dagegen, dass das Kind Interesse an den Inhalten selbst entwickelt, ist „Verstehen“ und „Können“ für sich selbst meist Belohnung genug.

 

Zum Schluss eine Geschichte von Dr.Eckart von Hirschhausen:Er beobachtet einen Pinguin: „Was für ein armer Vogel!“ Er kann nicht fliegen und nur mühsam gehen. Aber als er ins Wasser springt, bewegt er sich plötzlich ganz elegant und sicher mit sichtlichem Vergnügen. Er ist in seinem Element!Wenn es Ihnen als Eltern/Erzieher gelingt, die unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten zu berücksichtigen, wird aus dem Kind ein „glücklicher Pinguin“!

 

Mehr dazu am Freitag, den 02.03. im Kurzvortrag: KINDERLEBEN ins Gelingen bringen!

 

 

Herzlichst

Doris Engel und Barbara Langhammer

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