Ausgabe Januar 2018

 

Emotionen und Motivation 1


Neujahr ist erst drei Wochen her – meine guten Vorsätze haben sich verflüchtigt, obwohl ich doch so „motiviert“ war!

So ergeht es vielen mit den guten Vorsätzen.
Motivation und Selbstmotivation gehört zur Gruppe der beliebtesten Begriffe und das nicht nur rund um den Jahreswechsel.
Ebenso stellt sich oft die Frage „Wie motiviere ich mein Kind, meinen Partner, meine Schüler oder meine Mitarbeiter?“
Schön wäre es, wenn man seinem Kind nur sinnvoll erklären müsste, warum es zum Beispiel Mathematik lernen soll, man es nur gut mit ihm meint und schon hat es verstanden, setzt sich an den Schreibtisch und lernt mit Begeisterung. Leider funktioniert das entweder gar nicht oder der Eifer lässt ziemlich schnell nach! Und das, obwohl die Einsicht doch da war!

Wir übersehen etwas Wichtiges.
Unser Gehirn spielt nicht mit. Motivation ist ohne Emotionen nicht möglich. Emotionen sind neben Wahrnehmen und Denken die Grundzustände unseres Erlebens. Im Gegensatz zu Wahrnehmen und Denken gehen sie meist mit deutlichen körperlichen Empfindungen einher: Das Herz hüpft uns vor Freude oder klopft uns bis zum Halse vor Aufregung, die Knie zittern, wir werden kreidebleich vor Schreck und grün vor Neid. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.
Die Zuordnung von Gefühlen zu bestimmten Zuständen und Reaktionen ist weitgehend angeboren – und wird zwischen den Kulturen verstanden. Der körperliche Ausdruck von Freude, Furcht, Hass, Trauer, Unterwerfung, … ist überall auf der Welt der gleiche.
Im weiteren Sinne gehören zu den Emotionen Erlebniszustände, die zusammen mit biologischen Grundbedürfnissen und ihrer Befriedigung/ Ihrem Entzug auftreten, als Beispiele seien nur drei genannt:
Nahrungs-und Flüssigkeitsaufnahme (empfunden als Hunger oder Durst),
Angriffs-und Verteidigungsverhalten (Aggression oder Wut),
Sozialverhalten (Fürsorge, Geborgenheit, Verlassenheitsgefühl).
Diese elementaren Affektzustände sind angeboren, schließen aber dennoch Veränderbarkeit bis zu einem gewissen Grad mit ein. Die Mehrzahl von ihnen lässt sich aber nicht völlig unterdrücken.
Paul Ekman geht von 15 „grundlegenden Emotionen“ aus, die sich zwischen den Polen positiv/erstrebenswert und negativ/zu vermeiden bewegen und sich hinsichtlich Intensität und Ausprägung unterscheiden. Ekman kommt zu dem Schluss, dass sich diese 15 Emotionen bei allen Menschen durch eine einzigartige Kombination unterscheiden.
Wir verbinden nun diese Gefühle/Emotionen mit bestimmten Erlebniszuständen. Emotionen müssen aber nicht bewusst erlebt werden. So können wir unbewusst auf Dinge positiv oder negativ in der Bewertung geprägt werden und verhalten uns dann in bestimmter Weise, ohne dass wir wissen, warum.
Die Werbung versucht dies auszunützen.
Unbewusste und bewusste emotionale und verhaltensrelevante Zustände treten zeitversetzt auf, zuerst die unbewussten, dann die bewussten. Sie sind aber beide ursächlich wirksam, wenn auch in unterschiedlicher Weise.
Als Beispiel: Sie stehen in Ihrem Garten, plötzlich fliegt etwas blitzschnell auf Sie zu. Sie ducken sich ohne nachzudenken automatisch, danach erkennen Sie, dass es der Fußball aus Nachbars Garten war. Erst dann können Sie die Situation richtig einschätzen.
Es macht einen großen Unterschied, ob man auf eine Situation unbewusst oder bewusst reagiert. Das Bewusstwerden von Gefühlen ermöglicht eine längerfristige Handlungsplanung. Werden Emotionen nicht bewusst erlebt, können sie zwar unmittelbar motorische und vegetative Reaktionen hervorrufen, sie können aber nicht in die umfangreiche Informationsverarbeitung im Gehirn eingreifen.
Wenn wir uns nun nochmal vor Augen führen, dass jeder Mensch ganz unterschiedliche Erfahrungen macht, die mit seinen ganz persönlichen Emotionen zusammen im emotionalen Gedächtnis abgespeichert sind, wird es immer klarer, warum es schwierig ist, jemanden zu motivieren, etwas Bestimmtes zu tun oder zu unterlassen – auch bei uns selbst.
Was uns nun letztendlich antreibt/ bewegt, werden Sie in unserem Februar Newsletter mit dem zweiten Teil zu Emotion und Motivation erfahren. Dazu gibt es Tipps, wie Sie Ihr Gehirn - oder das Ihrer Kinder - anregen können, sich zu „bewegen“.

 

 

Herzlichst

Doris Engel und Barbara Langhammer

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