Ausgabe April 2019

 

Wann ist mein Kind schulreif?

 

Früher glaubte man, man müsse nur abwarten, bis biologische Vorgänge dazu führten, dass ein Kind schulreif sei. Dieser weit verbreitete Begriff der Schulreife stammt noch aus dem vorigen Jahrhundert. Heute weiß man, dass Umwelteinflüsse, wie die Lernmöglichkeiten in der Familie und in Kindertageseinrichtungen viel wichtiger für die Erlangung der Kompetenzen sind, die Kinder brauchen, um den Schulalltag erfolgreich zu bewältigen. Daher spricht man heute von „Schulfähigkeit“ und bezieht das gesamte Umfeld  in die Überlegungen mit ein. Als Anhaltspunkt dient eine Checkliste, die Eltern eine Orientierung gibt.

 

Man unterscheidet hierbei zwischen der körperlichen, der geistigen und der sozialen Entwicklung.

 

Ungefähr 6 Monate vor dem Schuleintritt findet die U9-Untersuchung statt. Hier wird von ärztlicher Seite auf Entwicklungsauffälligkeiten geachtet. Hör- und Sehfähigkeit wird überprüft, auf Auffälligkeiten oder andere Besonderheiten in der individuellen Lautbildung geachtet. Das Kind sollte auf einem Bein hüpfen, sowie einen Ball fangen und werfen können. Es kann sich allein an- und ausziehen und seine Schuhe binden.

 

Die Geschicklichkeit der Hände ist Voraussetzung für das Schreiben lernen, sowie für viele abwechslungsreiche Tätigkeiten im Unterricht wie schneiden, falten, kneten und ausmalen ohne dabei über den Rand zu kritzeln. Außerdem sollten Elten  sich fragen, ob die gesundheitliche Grundkonstitution des Kindes ausreicht, um einen ganzen Vormittag durchzuhalten.

 

Tipp:

Nützen Sie die Zeit bis zum Schulbeginn, um gegebenenfalls Defizite aufzuholen und gezielte Fördermaßnahmen zu ergreifen.

 

Welche Voraussetzungen der geistigen Entwicklung benötigt ein Schulkind? Hier geht es um Fähigkeiten, die das Kind braucht, damit es dem Unterricht folgen und sich daran beteiligen kann.

Um ein paar zu nennen: sich etwas merken, aufpassen, sprechen, erkennen, zuordnen, unterscheiden, vergleichen und natürlich auch zuhören können. Ein schulfähiges Kind ist in der Lage, Anweisungen zu verstehen und selbständig auszuführen, auch wenn diese mehrteilig sind. Zum Beispiel:

„Geh bitte in die Küche und hole aus dem oberen rechten Schrank die kleine blaue Schüssel!“

 

Der Wortschatz ist altersgerecht und die Bezeichnungen für die bekanntesten Menschen, Tiere, Pflanzen und Dinge aus dem Umfeld sind geläufig. Das Kind gibt kurze Geschichten verständlich wieder und erzählt eigene Geschichten folgerichtig.Kleine Gedichte und Liedtexte kennt es auswendig. Das Kind kennt die wichtigsten Farben und Formen und kann diese sicher bestimmen. Mühelos ordnet es Gegenstände nach bestimmten Gesichtspunkten wie Größe, Farbe oder Form. Das Kind kann mindestens bis 10 zählen und Mengen bis fünf auf einen Blick erfassen (Würfelaugen, Teller, uvm.) Es hat Spaß daran, detailreiche Bilder zu malen, Memory zu spielen oder ein Puzzle mit mehr als 20 Teilen ohne Hilfe zu lösen. Mit viel Freude entwickelt es eigene Spielideen.

 

Der nächste Punkt auf der Einschulungscheckliste ist die sozial-emotionale Entwicklung, also die soft skills. Was ist damit gemeint? Fast jedes Kind freut sich auf die Schule. Vorfreude, Optimismus und Selbstvertrauen sind wichtige Voraussetzungen, um die Schule mit Spaß am Lernen und Stolz auf Erreichtes erleben zu können. Aber auch das Wegstecken von Misserfolgen und Hinnehmen von Teilerfolgen, sowie Kritik annehmen zu können, sind Teil des erfolgreichen Lernens.

 

Tipp:

Beobachten Sie ihr Kind, ob es eigene Kontakte knüpfen und Freundschaften schließen kann, ob es in der Lage ist, sich in eine Gruppe einzufügen und sich an Regeln hält.

 

Nimmt es seine Bedürfnisse wahr und äußert diese, ist es aber auch einmal in der Lage, seine eigenen Bedürfnisse zurückstellen? Löst es sich in einer vertrauten Umgebung leicht von Ihnen? Gelingt es dem Kind, einmal eine Enttäuschung ohne Ihren persönlichen Trost zu ertragen und zu überwinden? Kann es mit altersgemäßen Konflikten umgehen und Kompromisse schließen?

 

Tipp:

Beobachten Sie sich selbst. 

Lassen Sie Ihr Kind ausreden? Haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind Zeit braucht, um etwas selbst zu machen – zum Beispiel beim Anziehen. Lassen Sie Ihr Kind selbst handeln – oder nehmen Sie ihm vieles ab? Erkennen Sie auch sein Bemühen an sich oder kleinere Erfolge an? Sind Sie konsequent? Sehen Sie dem Schuleintritt skeptisch entgegen? Trauen Sie Ihrem Kind zu, dass es die Herausforderungen meistern wird!

 

Ihr Kind spürt Ihre Haltung! Seien Sie Vorbild!

Freuen Sie sich mit Ihrem Kind auf die Schule!

 

 Herzlichst

Doris Engel und Barbara Langhammer

_______________________________________  


 

 Ein Interview zu diesem Thema finden Sie demnächst hier.